Das Qualitätsmedium, die Marketingabteilung, der Dienstleister und der Schuldige

Das Mar­ket­ing hat’s nicht leicht. An der Uni hiess es Haus­frauenkom­bi­na­tion: Mar­ket­ing + Personal/Führungslehre. Im Job sind die Mar­ket­ing­fuzzies die, die mit Maßanzü­gen herum­laufen, von der Sache keine Ahnung haben, aber umso mehr Geld aus­geben. 

Und in aktuell recht klam­men Zeitungsver­la­gen im Mar­ket­ing beschäftigt zu sein, ist auch kein Zuck­er­schleck­en: ohne Bud­get die Auflage und Online-Reichweite steigern müssen — eine Herkule­sauf­gabe. Da greift man dann schon ein­mal ins virale Zauberk­istchen. Möglichst sozialverträglich soll der Dien­stleis­ter für eine gute Stim­mung im par­tizipa­tiv­en Inter­net für die Marke sor­gen, damit wenig­stens das beim Chef präsen­tiert wer­den kann. Unverdächtige Dritte sollen Pos­i­tives bericht­en, damit die Botschaft ver­trauenswürdi­ger rüberkommt.

Und dann das: die Kumpels aus dem Sozialen Web find­en das Haar in der Suppe und fühlen sich hin­ter­gan­gen. Sie sagen all ihren Fre­un­den Bescheid und fer­tig ist das Desaster: der Schuss geht nach hin­ten los, hur­tig wird zurück­gerud­ert und mod­ern ver­sprochen, dass man zu solch hin­ter­hälti­gen Maß­nah­men nie mehr greifen werde. Aber das reicht vielle­icht nicht, denkt man sich — vielle­icht muss man da noch einen drauf­set­zen und klar­ma­chen, wo hier der Ham­mer hängt. 

Und also schickt man seine besten unver­braucht­en Herolde aus, die aus der Redak­tion, weil die so gut schreiben kön­nen — und weil die den nöti­gen Stall­geruch mit­brin­gen. Ein­deutig wird fest­gestellt, dass die Redak­tion von all dem (dem Desaster) nichts wusste. Damit wird auch klar, dass sie es naturgemäß hätte wis­sen müssen, da sie auch sonst vor der Anschaf­fung der Wer­bekulis (eine klas­sis­che Mar­ketingauf­gabe) gefragt wird. 

Und es wird klargestellt, dass das Mar­ket­ing die Schuld trägt. Und zwar in zweier­lei Hin­sicht: Erstens war die Idee an sich unsin­nig, das Mar­ket­ing hätte sie also nie haben umset­zen (lassen) dür­fen. Zweit­ens wurde das Mar­ket­ing vom Dien­stleis­ter mißver­standen, da es aber im Ver­ant­wor­tungs­bere­ich des Auf­tragge­bers liegt, dass man richtig ver­standen wird, hat das Mar­ket­ing auch hier ver­sagt. Wer sagts denn? War doch klar, wer hier die Schuld trägt.

Und ab da war alles bestens. 

One Reply to “Das Qualitätsmedium, die Marketingabteilung, der Dienstleister und der Schuldige”

  1. Jürgen says:

    Wie dumm sind die eigentlich bei der Süd­deutschen? Wenn die Führungsebene das nicht gewusst hat, dann haben sie ihre Führungsauf­gaben über­haupt nicht wahrgenom­men. Man müsste sie eigentlich dafür rauswer­fen.
    Allerd­ings ist das “Schön­schreiben” nichts Neues, die Apotheken­rund­schau ist ein gutes Beispiel, hier redet die Phar­main­dus­trie den Apothekenkun­den ein, welche Wehwe­hchen sie haben müssen, damit der Umsatz steigt. Blät­ter wie die Apothekenum­schau sind in sich geschlossene Sys­teme, bei denen jeder Beteiligte weiß, dass man die Klappe hält. Aber wie kann man nur auf die Idee kom­men, das werde mit Blog­gern auch funk­tion­ieren? Viral­ität und Kreb­s­geschwür sind die zwei Seit­en der­sel­ben Medal­lie. Man sollte erst recher­chieren und dann han­deln. War da nicht auch die Geschichte mit dem Elfen­bein­turm? Wie ging die nochmal?

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