Nachrichten – Schein und Wirklichkeit

Ein kleines Mädchen singt das Eröffnungslied zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking. In der Tat war es ein kleines Mädchen, aber nicht jenes, das im Fernsehen und im Stadion zu sehen war. Die hübsche war da, die mit der schönen Stimme hat gesungen.

Der Iran testet seine Raketenarsenale. Nicht so schön. Aber auch nicht wahr – jedenfalls nicht so, wie wir es alle gesehen haben. Es waren zumindest weniger Raketen, vielleicht waren es auch gar keine iranischen.

In Georgien werden Gräueltaten verübt. Offensichtlich – oder nur scheinbar? An wem? Stimmen die Aussagen zu den Bildern? Stammen die Bilder aus Georgien und wurden sie in diesen Tagen aufgenommen? Oder vor einigen Jahren in einem anderen Krisengebiet?

Welcher Nachricht kann man trauen? Welches Bild ist echt?

Der technologische Fortschritt ermöglicht es, Nachrichten nahezu realtime zu produzieren, zu modifizieren oder gar zu konstruieren. Eine mögliche Konsequenz daraus beschreibt Benedikt. Eine andere wäre diejenige, Nachrichten übergreifend durch die Nutzer verifizieren zu lassen. Zeigt man im Internet das Universum der Nachrichten an einem Ort und lässt Nutzer darüber befinden, ob sie der Realität entsprechen, müsste dies bei einer ausreichend grossen Nutzerzahl zu einem guten Ergebnis führen. Zu jeder Nachricht wird sich ein Experte finden, der zumindest profund beurteilen kann, ob eine Nachricht wahr sein kann – wenngleich er sie nicht an Ort und Stelle stichhaltig überprüfen kann.

Any ideas?

2 thoughts on “Nachrichten – Schein und Wirklichkeit

  1. Ola!
    Ich habe ernste Zweifel daran, dass die Summe der persönlichen Sensationsgier vieler Einzelpersonen ein genaues Bild der realen Geschehnisse ergibt. Das Problem ist ja nur scheinbar neu.
    Schon im 30-jährigen Krieg haben sich “Journalisten” darüber beschwehrt, dass sich Hetzschriften besser verkaufen, als langweilige, aber sachlich richtigere Kriegstagebücher. Bis heute sind weltweit die auflagenstärksten Zeitungen eher die, die mit großen Buchstaben und markigen Sprüchen daherkommen. Und selbst im SocialNews-Umfeld, dass Deiner Vorstellung von nutzergenerierter Realität vermutlich derzeit am nächsten kommt, haben es Gina-Lisa-Videos leichter, als z.B. der Bericht der Welthungerhilfe.
    Nun bin ich kein Kulturpesimist und erkenne an, dass es heute viel kostengünstiger ist, sich breit (aus mehreren Quellen) zu informieren. Wir sind dennoch nicht zwingend weniger anfällig für Manipulation!
    Gerade die Expertengläubigkeit sehe ich da kritisch, weil Experten nur selten von denen ausgewählt werden, die dafür fachlich Qualifiziert sind. Allzuoft wird lediglich der zum Experten erklärt, der grade greifbar ist. Ich spreche da aus persönlicher Erfahrung 🙂
    Wenn Leute ohne Expertenwissen bestimmen, wer die Deutungshoheit hat, versucht ein Blinder einem Androiden das Malen beizubringen (um mal ein Bild aus der Zukunftsvision StarTreck zu gebrauchen).
    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

  2. Hi Steffen,
    danke für Deinen ausführlichen Kommentar!
    Du hast völlig recht, Expertengläubigkeit wäre falsch. Allerdings sehe ich eine zunehmende Verunsicherung der Menschen aufgrund der immer stärkeren Manipulation der Massenmedien. Was kann man tun, um ein Vertrauen in Texte und Bilder wieder herzustellen bzw. überhaupt möglich zu machen? Meine Antwort ist: Transparenz schaffen. Und die Einbindung möglichst vieler Menschen ist ein erster Schritt in diese Richtung. Wenn es sehr viele Menschen sind, werden sich darunter auch solche finden lassen, die die entsprechenden Nachrichten und deren Echtheit und beurteilen können.
    Was meinst Du?

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